Versicherung als Risk Management Tool bei Profifußballvereinen

Versicherungsfall Abstieg - Diplomarbeit von Alexander Strehl - 01.06.2006 - SPONSORS 6/2006 - PDF-Download

Professionelles Risiko Management nimmt auch in der Fußballbranche an Bedeutung zu. In seiner Diplomarbeit analysiert und bewertet Alexander Strehl, der Gewinner des 9. SPONSORs-Nachwuchspreises, die Risiken von Profiklubs und stellt die verschiedenen Versicherungsprodukte für Vereine und Sponsoren dar.

Gleichbleibende Einnahmen trotz sportlichen Abstiegs, kein gesprengtes Werbebudget des Sponsors, obwohl der unterstützte Klub gerade die Champions-League gewann - so genannte Prize Bonus sowie Prize Indemnity Versicherungen können die finanziellen Folgen der sportlichen Unwägbarkeiten des Fußball-Geschäfts abmildern. Vertiefend untersucht wurde in der Diplom-Arbeit von Alexander Strehl - die von einer Fachjury auf den ersten Platz des 9. SPONSORs-Nachwuchspreises gewählt wurde - die Versicherung des sportlichen Risikos aus Sicht von Vereinen und Werbepartnern. Bayer 04 Leverkusen erlebte zum Beispiel die Talfahrt vom Champions-League Finale 2002 bis zum Beinahe-Abstieg 2003 innerhalb von nur zwölf Monaten. Als bekannt wurde, dass sich der Verein gegen diesen Worst Case abgesichert hatte, wurde erstmals in den Medien über Prize Indemnity Versicherungen beziehungsweise Abstiegsversicherungen diskutiert. Ein "genialer Schachzug" und vorbildlicher Umgang mit den eigenen Risiken wurde der Vereinsführung attestiert. Kritiker sprachen aber auch von mangelndem Vertrauen in das Kerngeschäft.

Problem: moralisches Risiko

Dieses bisher eher unbekanntere Versicherungsprodukt definiert Strehl in diesem Zusammenhang wie folgt: "Eine Prize Indemnity Versicherung deckt den Vermögensschaden (Indemnity = Entschädigung), der für den Versicherungsnehmer entsteht, wenn aufgrund eines bestimmten Ereignisses Einnahmen nicht erfolgen oder vertraglich vereinbarte Zahlungen zu leisten sind (Prize = Preis)." Im Falle eines Abstiegs aus der 1. Bundesliga kann grob von einer Halbierung der Einnahmen ausgegangen werden. Die bei Versicherern ungeliebte Abstiegsversicherung ersetzt den durch zum Beispiel geringere Fernseherlöse und sinkende Werbeeinahmen entstehenden Schaden. Problematisch aus Sicht der Versicherungsgesellschaften ist bei derartigen Versicherungen das so genannte moralische Risiko; Vereine könnten vom Abstieg profitieren. Um diesem Risiko entgegenzuwirken, beinhalten aktuelle Wordings Sicherungsmechanismen, wie etwa eine Budgetgarantie, die den Versicherungsschutz für den Fall ausschließt, dass sich der Personalaufwand im Vergleich zur Vorsaison um mehr als einen vorher definierten Prozentsatz verringert.

Doch nicht nur Vereine können sich des Instrumentariums bedienen, so können auch Sponsoren durch Prize Bonus Versicherungen, die vom sportlichen Erfolg einer Mannschaft abhängende Sponsoringleistung durch fixe und somit besser kalkulierbare Versicherungsprämien ersetzen (Balance Sheet Protection). Denn gerade bei den Haupt- und Trikotsponsoren werden Controller hellhörig, wenn Sponsoringverpflichtungen im hohen Millionenbereich eingegangen werden, sollte das gesponserte Team eine Saison erfolgreich absolvieren. Der Erfolg könnte somit sehr teuer für den Sponsor werden.

Prämienermittlung

Die Höhe der zu zahlenden Versicherungsprämie von Klubs und Sponsoren wird mathematisch berechnet und hängt von mehreren Faktoren ab. Dazu werden Analysen der Etatwerte, der Vorjahresplatzierung, der Ergebnisse der letzten zehn Jahre sowie der Wettquoten durchgeführt. Ausgehend von einer gleichverteilten Eintrittswahrscheinlichkeit aller Tabellenplätze werden anhand der Etatwerte und Vorjahresplätze Gewichtungsfaktoren errechnet, die eine Prognose der nächsten Saison zulassen. Anhand der empirischen Analyse der letzten zehn Spielzeiten können Aussagen getroffen werden, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein Verein absteigt, der im Vorjahr einen bestimmten Tabellenplatz belegte. Daneben dienen die Nettoeintrittswahrscheinlichkeiten, die aus den Wettquoten zu Beginn einer Saison errechnet werden können, als zusätzlicher Anhaltswert für die Bestimmung von Versicherungsprämien.

In der Arbeit von Alexander Strehl stellte sich allerdings heraus, dass die Nachfrage an Prize Indemnity beziehungsweise Prize Bonus Deckungen in Deutschland im europäischen Vergleich als gering einzustufen ist. Von professionellem Risk Management kann bisher nur bei sehr wenigen Klubs und Sponsoren gesprochen werden. Grund hierfür ist zum einen die Tatsache, dass in Deutschland nur ein Klub an der Börse notiert ist und zum anderen, dass der Anteil der variablen, erfolgsabhängigen Sponsorenleistungen bei zum Beispiel italienischen oder spanischen Vereinen wesentlich höher ist.

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